Spirit Writing (扶乩, fújī, auch geschrieben 扶箕) ist eine der faszinierendsten und am wenigsten verstandenen Praktiken in der chinesischen Volksreligion. Zwei Personen halten ein Y-förmiges Holzwerkzeug (das ji, 乩) über eine Schale mit Sand oder Asche. Eine Gottheit steigt in das Werkzeug herab, das zu bewegen beginnt und chinesische Zeichen in den Sand zeichnet. Ein Gehilfe liest die Zeichen laut vor. Ein Schreiber dokumentiert sie.
Das Ergebnis kann ein Gedicht, ein medizinisches Rezept, eine Morallehre, eine Prophezeiung oder eine Antwort auf eine spezifische Frage eines Gläubigen sein. Die schreibende Gottheit könnte Guan Yu (关帝), Lü Dongbin (吕洞宾), Guanyin (观音) oder eine Vielzahl anderer Figuren aus dem chinesischen Pantheon sein.
Wenn dies wie eine chinesische Version des Ouija-Bretts klingt, ist der Vergleich treffend, aber unvollständig. Spirit Writing in China hat ganze Schriften hervorgebracht, religiöse Bewegungen gegründet und die Entwicklung der chinesischen Volksreligion über tausend Jahre geprägt. Es ist kein Gesellschaftsspiel. Es ist eine Technologie zum Empfang göttlicher Kommunikation.
Wie es funktioniert
Die grundlegende Einrichtung:
| Komponente | Chinesisch | Pinyin | Beschreibung | |--------------|-------------|----------|---------------------------------------------------------| | Die Planchette | 乩笔 | jī bǐ | Y-förmiger Stock, oft aus Pfirsichholz, mit einer spitzen End-| | Das Sandtablett | 沙盘 | shā pán | Flaches Tablett, gefüllt mit feinem Sand oder Weihrauchasche| | Die Halter | 扶乩者 | fújī zhě | Zwei Personen, die die Planchette halten | | Der Leser | 唱生 | chàng shēng | Person, die die Zeichen laut vorliest | | Der Schreiber | 录生 | lù shēng | Person, die die Botschaft aufzeichnet | | Der Fragesteller | 问事者 | wèn shì zhě | Person, die Rat sucht |Der Prozess:
1. Reinigung: Der rituelle Raum wird mit Weihrauch gereinigt. Die Halter fasten oder beachten im Voraus diätetische Einschränkungen. 2. Invokation: Gebete und Beschwörungen laden eine spezifische Gottheit ein, herabzusteigen. 3. Abstieg: Die Planchette beginnt sich zu bewegen – zunächst langsam und dann mit zunehmender Geschwindigkeit und Zuversicht. 4. Schreiben: Das spitze Ende der Planchette zieht Zeichen in den Sand. Nachdem jedes Zeichen gelesen wurde, wird der Sand für das nächste Zeichen geglättet. 5. Kommunikation: Gläubige können Fragen stellen; die Gottheit antwortet durch die Planchette. 6. Abreise: Die Gottheit signalisiert den Abschluss (oft indem sie einen schließenden Satz schreibt), und die Sitzung endet.
Das Schreiben kann bemerkenswert schnell sein. Erfahrene Praktizierende berichten, dass sich die Planchette so schnell bewegt, dass der Leser kaum mithalten kann. Die Zeichen werden oft als elegant beschrieben - besser in der Kalligraphie als jeder Halter es alleine produzieren könnte. Siehe auch Spirit-Medien in der chinesischen Kultur: Die Lebenden, die für die Toten sprechen.
Historische Entwicklung
Spirit Writing hat eine lange Geschichte in China:
| Zeitraum | Entwicklung | |----------|----------------------------------------------------| | Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) | Erste Hinweise auf Wahrsagerei durch Planchette | | Tang-Dynastie (618–907) | Praktik wird mit der Gottheit Zigu (紫姑) assoziiert | | Song-Dynastie (960–1279) | Verbreitete Annahme; Literaten nehmen teil | | Ming-Dynastie (1368–1644) | Spirit Writing