Die Tongji: Geistliche Medien der chinesischen Gemeinschaften in Südostasien

In einem Tempel in Penang, Malaysia, sitzt ein mittelalter Mann auf einem Holzstuhl. Trommeln schlagen. Rauch von Räucherwerk verdichtet die Luft. Der Körper des Mannes beginnt zu zittern. Seine Augen rollen sich nach hinten. Seine Stimme verändert sich — tiefer, autoritärer, spricht in einem Dialekt, den er normalerweise nicht benutzt. Ein Diener reicht ihm eine mit Stacheln versehene Kugel. Er schlägt sich selbst auf den Rücken und zieht Blut. Er zuckt nicht zusammen.

Der Gott ist erschienen.

Dies ist eine tongji (童乩, tóngjī) Sitzung — ein Geist-Medium, das eine Gottheit in einem der tausenden chinesischen Tempel, die über Südostasien verstreut sind, kanalisieren. Die Praxis wird in Hokkien tangki (童乩) genannt (der dominante chinesische Dialekt in einem großen Teil Südostasiens), und es ist eine der lebhaftesten und eindringlichsten Formen religiösen Ausdrucks in der chinesischen Diaspora.

Was ist ein Tongji?

Der tongji (童乩, tóngjī — wörtlich "Divinationsjugend", obwohl die Praktizierenden jedes Alters sein können) ist eine Person, die als Gefäß für Gottheiten dient. Während der Trance wird geglaubt, dass das Bewusstsein des tongji zurücktritt, wodurch ein Gott den Körper bewohnen und direkt mit den Gläubigen kommunizieren kann.

| Aspekt | Detail | |---|---| | Chinesischer Begriff | 童乩 (tóngjī) / 乩童 (jītóng) | | Hokkien-Begriff | Tangki (童乩) | | Teochew-Begriff | Tangki / Dang-ki | | Kantonesischer Begriff | Gei-tung (乩童) | | Funktion | Götter für Beratung, Heilung, Exorzismus kanalisieren | | Geschlecht | Überwiegend männlich, aber es gibt auch weibliche tongji | | Auswahl | Vom Gott "ausgewählt", oft durch Krankheit oder Krise |

Die Tradition der tongji ist am stärksten in: - Singapur — Hunderte aktiver Tempel mit tongji - Malaysia (insbesondere Penang, Malakka, Johor) — tief verwurzelt im Leben der chinesischen Gemeinschaft - Indonesien — besonders in Medan und anderen Städten auf Sumatra - Taiwan — das Heimatland der Tradition - Thailand — chinesische Gemeinschaften in Bangkok und im Süden Thailands

Der Tranceprozess

Eine tongji-Sitzung folgt einem erkennbaren Muster:

1. Vorbereitung Der tongji fastet, meditiert und reinigt sich selbst vor der Sitzung. Der Tempel wird mit Opfern, Räucherwerk und rituellen Werkzeugen vorbereitet.

2. Beschwörung Tempelassistenten schlagen Trommeln und Gongs in spezifischen rhythmischen Mustern. Räucherwerk wird in großen Mengen verbrannt. Gebete laden die Gottheit ein, herabzusteigen.

3. Einsetzen der Trance Der tongji beginnt zu zittern, zu beben oder zu convulsieren. Sein Gesichtsausdruck ändert sich. Sei

Über den Autor

Geisterforscher \u2014 Folklorist für chinesische übernatürliche Traditionen.

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