Der Tod ist Teuer (Sogar Nach Dem Tod)
In der chinesischen Tradition enden mit dem Tod die finanziellen Verpflichtungen nicht. Die Toten benötigen Geld im Jenseits – für Bestechungen, für Wohnraum, für allgemeine Ausgaben. Die Lebenden stellen dieses Geld bereit, indem sie Joss-Papier (纸钱, zhǐqián) verbrennen, welches durch Feuer in die Unterwelt übertragen wird.
Die Nennwerte sind überwältigend. Modernes Joss-Papier gibt es in Form von „Höllenbanknoten“, die mit Werten in Milliarden oder Billionen gedruckt sind. Die Inflation ist absichtlich – warum der Großmutter einen bescheidenen Betrag schicken, wenn man ihr genug für den Kauf einer Villa im Jenseits schicken kann?
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Angebote über Geld hinaus ausgeweitet. Man kann jetzt Papiernachbildungen von Smartphones, Luxusautos, Designertaschen, Klimaanlagen und sogar Papierdienern kaufen, die für die Toten verbrannt werden. Ein Unternehmen aus Hongkong machte Schlagzeilen, weil es eine Papiernachbildung eines Teslas verkaufte. Zum Kontext siehe Ahnenverehrung: Die Lebendige Beziehung zu den Toten.
Professionelle Trauernde
Das Engagieren von professionellen Trauernden (哭丧, kūsāng) für Beerdigungen ist eine Tradition, die auf mehrere Tausend Jahre zurückgeht. Die Logik ist einfach: Eine gut besuchte, emotional intensive Beerdigung ehrt den Verstorbenen. Wenn die Familie nicht genug echten Kummer zeigt, um die Zeremonie zu füllen, können Profis dies ergänzen.
Das moderne professionelle Trauern in Taiwan und Südchina hat sich zu einer Performancekunst entwickelt. Einige Trauernde sind im Wesentlichen Entertainer – sie singen, sie klagen, sie halten Nachrufe für Menschen, die sie nie getroffen haben. Die besten unter ihnen können einen gesamten Trauersaal zum Weinen bringen.
Dies erscheint vielen Westlern bizarr oder unehrlich. Doch die chinesische Perspektive ist anders: Die Emotion bei einer Beerdigung ist ein Geschenk an die Toten, und es spielt keine Rolle, ob die Quelle Familie oder bezahlte Hilfe ist. Entscheidend ist, dass die Toten angemessen verabschiedet werden.
Das Feng Shui des Todes
Die Grabplatzierung in der chinesischen Tradition wird durch Feng Shui-Prinzipien bestimmt. Die Lage, Orientierung und Umgebung eines Grabes beeinflussen nicht nur den Komfort des Verstorbenen im Jenseits, sondern auch das Vermögen ihrer lebenden Nachkommen.
Das ist der Grund, warum chinesische Friedhöfe oft begehrte Grundstücke auf Hügeln mit Blick auf Wasser einnehmen – diese gelten als günstige Standorte. Es ist auch der Grund, warum Feng Shui-Beratung für Gräber extrem teuer sein kann. Die Einsätze sind mehrgenerationenübergreifend.
Der Siebte Tag
Die chinesische Tradition besagt, dass die Seele des Verstorbenen am siebten Tag nach dem Tod (头七, tóuqī) nach Hause zurückkehrt. Die Familienmitglieder bereiten Essen vor, lassen Türen offen und streuen manchmal Mehl auf den Boden, um nach gespenstischen Fußabdrücken zu suchen.
Dieser Glaube erzeugt eine spezielle Art von Trauer – die Vorfreude auf eine Rückkehr, die sowohl erhofft als auch gefürchtet wird. Man möchte sein geliebtes Wesen wiedersehen. Man hat jedoch auch Angst davor, sein geliebtes Wesen wiederzusehen. Das Ritual am siebten Tag hält diese beiden Emotionen gleichzeitig.
Warum Diese Gebräuche Bestehen Bleiben
Die chinesischen Todesbräuche bestehen, weil sie ein Bedürfnis ansprechen, das die moderne säkulare Kultur weitgehend aufgegeben hat.