Zhong Kui: Der Dämonenbezwinger, der bei seinen Prüfungen scheiterte

Zhong Kui (钟馗, Zhōng Kuí) ist die bekannteste Figur in der chinesischen Dämonenbekämpfungs-Ikonographie. Du hast ihn schon gesehen, auch wenn du seinen Namen nicht kennst – der wilde, bärtige Mann in Gelehrtenrobe, der ein Schwert schwingt und oft auf einem Dämon steht oder ihn packt. Er erscheint auf Türgemälden während des chinesischen Neujahrs, an Tempelwänden, in der Oper, in Comics, in Videospielen. Seit mehr als tausend Jahren schützt er chinesische Haushalte vor bösen Geistern.

Seine Ursprungsgeschichte ist eine der ungewöhnlichsten in der chinesischen Mythologie: ein brillanter Gelehrter, hässlich bis zur Abscheulichkeit, der die kaiserlichen Prüfungen mit Bravour bestand, aber den ersten Rang verweigert bekam, weil der Kaiser es nicht ertragen konnte, sein Gesicht anzuschauen. In Verzweiflung brachte sich Zhong Kui auf den Stufen des Palastes um. Der Kaiser, von Schuldgefühlen geplagt, verlieh ihm posthum einen Titel und den Auftrag, Dämonen für alle Ewigkeit zu jagen.

Es ist eine Geschichte über Ungerechtigkeit, Wiedergutmachung und die ganz chinesische Vorstellung, dass die Bürokratie der Geisterwelt das reparieren kann, was die irdische beschädigt hat.

Die Legende

Die Standardversion der Zhong Kui-Legende lautet wie folgt:

Während der Tang-Dynastie wurde Kaiser Xuanzong (唐玄宗, Táng Xuánzōng, reg. 712–756 n. Chr.) von Fieber befallen. In seinem Delirium träumte er von einem kleinen Dämon, der seine Jadeflöte und die bestickte Dufttasche seiner Konkubine Yang Guifei (杨贵妃) stahl.

Während der Kaiser den Dieb wütend anfuhr, erschien eine größere Gestalt – ein riesiger Mann in zerfetzten Gelehrtenroben, mit einem wilden Gesicht und einem wuchernden Bart. Diese Gestalt fing den kleinen Dämon, stach ihm die Augen aus und verschlang ihn.

Der Kaiser fragte: „Wer bist du?“

Die Gestalt antwortete:

> 臣乃终南山进士钟馗也 (chén nǎi Zhōngnán Shān jìnshì Zhōng Kuí yě)

„Ich bin Zhong Kui, ein bestandener Gelehrter vom Zhongnan-Berg.“

Er erklärte seine Geschichte: Er hatte die kaiserlichen Prüfungen als Erster bestanden, aber als er dem Kaiser zur Ehrung vorgestellt wurde, war dieser von seinem hässlichen Gesicht derart abgestoßen, dass er ihm den ersten Rang aberkannte. Zhong Kui, gedemütigt, schlug seinen Kopf an die Palasttreppe und starb.

Der vorherige Kaiser, von Schuldgefühlen bewegt, ließ ihn mit den Ehren eines zhuangyuan (状元, zhuàngyuán – der bestplatzierte Gelehrte) beerdigen. Aus Dankbarkeit schwor Zhong Kuis Geist, das kaiserliche Haus für immer vor Dämonen zu schützen.

Kaiser Xuanzong erwachte aus seinem Traum und stellte fest, dass das Fieber gebrochen war. Er rief den Hofmaler Wu Daozi (吴道子, Wú Dàozǐ) und beschrieb die Gestalt aus seinem Traum. Wu Daozi malte ein Porträt von Zhong Kui, und der Kaiser befahl, dass dieses Bild in jedem Haushalt zur Abwehr des Bösen aufgehängt werden solle.

Die Ikonographie

Zhong Kuis bildliche Darstellung ist über Jahrhunderte bemerkenswert konsistent:

| Merkmal | Beschreibung | Symbolik | |-------------|------------------------------------|-------------------------------| | Gesicht | Wild, dunkelhäutig, hervorstehende Augen | Furchteinflößend für Dämonen | | Bart | Wild, ungekämmt, oft schwarz | Männliche Kraft, Gelehrtenstatus | | Kleidung | Gelehrtenroben und Hut, oft zerfetzt | Er hat seinen Abschluss erlangt; die Roben beweisen es | | Waffe | Schwert, manchmal Fächer oder Pinsel | Autorität zu urteilen und zu bestrafen | | Haltung | Dynamisch, aggressiv, oft |

(An dieser Stelle scheint der Text abzubrechen.)

Über den Autor

Geisterforscher \u2014 Folklorist für chinesische übernatürliche Traditionen.

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